Der gefürchtete Verlegungstag kam – am liebsten hätte ich mich in die letzte Ecke verkrochen und alle Telefone gekappt, um nicht hören zu müssen, was mir die Heimangestellte am Telefon sagte: „Ihre Mutter ist bei uns eingetroffen.“
Selten hat es mir so widerstrebt, sie besuchen zu gehen. Es war die Situation, die sie nie wollte, die ich nie wollte und die vor allem sie selbst ertragen musste. Ich hoffte auf einen ihrer nicht klaren Tage. Aber sie nahm das (schön eingerichtete aber eben nicht „ihr“) Zimmer wahr, schaute sich genau um und sah mich fragend an.
Da ich von Lügen nichts halte, hatte ich ihr schon im Krankenhaus Altbekannt gesagt, daß ich sie in ihrem derzeitigen Zustand nicht nachhause holen könne und sie vorerst in ein Pflegeheim müsse (mein Plan war gewesen, sie nach „Aufpeppeln“ wenn möglich wider in Ihre Umgebung zu holen auch wenn mir zum Zeitpunkt dieses Gesprächs schon schwante, dass der Verlauf in eine völlig andere Richtung gehe). Ob sie mir böse sei? „Nein, wieso denn?“ lautete die Antwort. Mehr als 24 Stunden nach diesem Gespräch beim nächsten Besuch im Krankenhaus sagte sie von sich aus „Das mit dem Pflegeheim mit mir – das machen wir so.“ – „Mutti, es tut mir leid!“ – „Aber wieso denn? Es geht nun mal nicht anders!“
Nun war sie tatsächlich im Heim.
Die Schwestern kamen, kümmerten sich sehr lieb und fachlich einwandfrei um sie. Auf Betreiben der Heimleitung wechselten wir den Hausarzt wegen der Erreichbarkeit. Die neue Hausärztin erschien 15 min nach Anruf und untersuchte meine Mutter sehr gründlich. Anschließend mobiliserte sie sie in den Sessel.
Meine Mutter aß selbstständig ein Stück Kuchen, während ich etwas schrieb. Ich war erstaunt und fing an, auf einen Aufwärtstrend zu hoffen.

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