Nach langer Blogpause zum Thema wegen vieler Akutsituationen melde ich mich nun also zurück. Diesmal aus der Retrospektive.

Eines schönen Dienstags erhielt ich einen Anruf aus der Psychiatrie. Meiner Mutter ginge es sehr schlecht – sie habe Fieber. In einem Nebensatz fiel die Bemerkung, sie habe bereits seit 4 Tagen Fieber. Als man dies das erste Mal festgestellt habe, sei es von allein gesunken. Diagnostische Maßnahmen (Labor, Röntgen, Urinstatus, Sonographie des Bauches wie von den Leitlinien gefordert) seien nicht eingeleitet worden – in der Psychiatrie tue man dies nicht. Meine Mutter habe wahrscheinlich eine Lungenentzündung (schlussendlich hat man ihr eine Blutgasanalyse gemacht, diese als eingeschränkt erkannt und ihre objektiv hörbare Dyspnoe zum Anlaß dieser Diagnose genommen). Auf meine Bitte hin, sie in Krankenhaus Altbekannt zu verlegen, erhielt ich die Antwort, sie werde sicher bald intubationsbepflichtig , man müsse sie in die Uniklinik H. verlegen – dort sei sie bereits avisiert und ein Bett vorhanden. Ich fasste den Sachverhalt zusammen („Ah, 4 Tage haben sie sie liegenlassen, jetzt wo sie nahe intubationspflichtig ist, wird sie ad hoc in ein fremdes Krankenhaus gekarrt, wo ihre gesamte Krankheitsgeschichte neu aufgerollt wird“), wurde als „unbequem“ eingestuft und erhielt die Versicherung, die Chefärztin riefe mich zurück.

Unterdessen sprang ich in mein Auto und raste ca. 150 km nachhause, holte Frau H. ab um mit ihr in Krankenhaus H. meine Mutter zu finden. In der Uniklinik hatte man, wie bei Lungenentzündung empfohlen sofort (schon 30 Minuten Verzögerung führen zu einer schlechteren Prognose) mit einer antibiotischen Therapie begonnen. Neben meiner Mutter traf ich dort einen Studienkollegen an, der mir verkündete, man habe  dort kein adäquates Bett für meine Mutter, die telefonische Übergabe des Psychiaters sei ungenügend gewesen (hatte ich mir ja bereits gedacht), mein Studienkollege war meiner Anregung gegenüber, sie in Krankenhaus Altbekannt zu verlegen, aufgeschlossen und so wurde Mutter auf Pritsche Nr. 3 und in Krankenhaus Altbekannt verfrachtet – ich kann es leider nicht anders ausdrücken.

In einem ihrer lichten Momente – das Narkosedelir klang ab – hat sie sich ausdrücklich „dieses unwürdige In-der-Welt-Herumgekarre“ verbeten.

Auf meine Rückfrage an die Chefärztin der Psychiatrie, warum man keine diagnostischen Maßnahmen bezüglich des Fiebers eingeleitet hatte, erhielt ich die Antwort „In der Psychiatrie tuen wir das nicht“ und  – wie schon so oft, das Etikett „schwierig“. Allerdings wird dieses Nichtstun noch ein Nachspiel haben.