Vor einigen Wochen hat für meine Mutter der Anfang vom Ende begonnen. Sie wurde operiert  – die OP ließ sich nicht vermeiden und wie viele andere demente Menschen ist sie nach der Narkose delirant geworden.

Gleichwohl ich wußte, daß sie eine Demenz hat, hat es mich tief getroffen, sie nachts auf der Trage des RTW am Eingang zur Psychiatrie wie ein Häufchen Elend liegen zu sehen. Die bitteren Vorwürfe, die sie seither gegen mich erhebt – alle konfus, jeder ins Mark treffend – sind nur ein Teil dessen, womit ich ab jetzt leben muß.

Sie war und ist eine stolze Frau, die bis zu besagtem Tag ausschließlich selbst über ihr Leben bestimmt hat. Wenn sie sich im Spiegel sieht, kommen ihr die Tränen. Wenn sie ihren Willen nicht bekommt, schreit sie vor Zorn. Helfen kann ich ihr nicht wesentlich, und es ist die Ohnmacht, mit der ich ihrer Verzweiflung gegenüber stehe, die momentan das Schlimmste für mich ist.

Es mag zynisch anmuten, aber nicht nur die Demenz ist offenbar geworden, auch ihr Lymphdrüsenkrebs ist zurück.

Es hat ein paar Tage gebraucht, bis ich das Ausmaß des finanziellen Chaos durchschaut habe, das sie – wohl schon vor einigen Jahren beginnend – angerichtet hat.

Und so habe ich, um ihr zu helfen, mich in mancher Hinsicht beschäftigt: eine amtsrichterlich bestellte Betreuung beantragt, da die nicht notarielle Generalvollmacht für Beurkundungen bei Verkauf von Grundbesitz nicht ausreicht, Antrag auf Pflegeversicherung gestellt (hier zählt als frühestmögliches Bezugsdatum das Datum des Antrags!) und mir Lösungsstrategien für ihre häusliche Versorgung überlegt.

All das hätte ich ohne ihren und meinen treuen Freundeskreis nicht geschafft.

Damit ich es nicht vergesse, halte ich hier die vielen Schritte fest, die auf meine Mutter und mich zukommen werden.